Kategorie: Bewerbung

  • Mastersuche: A long and winding road

    Bewerbungen zum Master können frustrierend sein, denn nicht immer ist klar, warum man genommen oder abgelehnt wurde. Mit Masterwiki zeigt eine neue Webseite, mit welchem Bachelor – und welcher Note – Bachelorabsolventen es in den Master geschafft haben.

    Bewerbungsverfahren für den Master können wie Fesseln wirken – Masterwiki hilft beim Entwirren

    Das Prinzip von Masterwiki ist einfach: Bachelorabsolventen geben ihren Studiengang an, ihre Abschlussnote, die Masterprogramme, für die sie sich beworben haben sowie ihren Erfolg oder Misserfolg. Man kann aus zwei Richtungen suchen: Ausgehend von seinem Bachelor oder ausgehend vom angestrebten Master. Hier erfährt der geneigte Leser, mit welchem Bachelor andere zum jeweiligen Master zugelassen wurden.

    Ein Selbstversuch: Ich habe Staatswissenschaften mit Schwerpunkt VWL an der Uni Erfurt studiert. Eine Suche nach dem Programm zeitigt drei Master: European Economic Studies in Bamberg, VWL in Marburg sowie Development Economics in Göttingen. Bei den ersten beiden Programmen gab es eine erfolgreiche Bewerbung, beim Master in Göttingen war die Bewerbung nicht erfolgreich. Hmmm.

    Das Beispiel zeigt die bisherige Schwäche von Masterwiki: Es gibt über 6.000 Bachelorstudiengänge, aber bisher „nur“ etwa 1.600 Einträge in die Datenbank. Um ein klares Bild zu erreichen, müsste es zu jedem einzelnen Bachelor 10, 20 oder besser hunderte an Erfahrungsberichten geben.

    Dennoch: Masterwiki ist eine einfach zu bedienende Webseite, deren Nutzen sich mit ihrem Bekanntheitsgrad deutlich erhöhen wird. Also: Reinschauen und idealerweise gleich die eigenen Erfahrungen verarbeiten.

    Bild: Alex Eylar / Flickr.com

  • Last-Minute Studienwahl: Studienplatz trotz Absage

    Bewerber für NC-Studiengänge erhalten derzeit Zu- und Absagen. Bei historisch hohen Bewerberzahlen gibt es viele Enttäuschungen. Was studieren, falls es mit dem Wunschstudienplatz zunächst nicht klappt?

    Die Welle hatte sich lange angekündigt. Zusätzliche Kräfte wurden angeheuert, bessere technische Systeme sollten die Massen in die richtigen Bahnen lenken. Doch Kritiker unkten, dass die Maßnahmen nicht reichen würden: Die Welle werde schlicht zu groß, die Lösungen seien Stückwerk.

    Die Welle ist da: Die Bewerbungen um Studienplätze sind auf Rekordhöhe. Und alle fragen: „Was studieren – und wo?“

    Wir erleben derzeit eine Studierendenwelle. Die Anzahl an Studienanfängern wird aller Voraussicht nach auf einem historischen Höchststand sein. Das hat mehrere Gründe. Zum einen steigt schon seit längerem der Prozentsatz der Studierwilligen: Noch nie haben sich prozentual so viele junge Menschen eines Jahrgangs zum Studium entschlossen wie heute. Die große Welle wird derzeit allerdings von anderen Entwicklungen ausgelöst: Es strömen derzeit doppelte Abiturjahrgänge, die aufgrund der Verkürzung der Schulzeit von 13 auf 12 Jahre in den meisten Bundesländern entstehen, an die Hochschulen. Noch verstärkt wird dieser Effekt durch die plötzliche Abschaffung der Wehrpflicht: Plötzlich beginnen Jungs ihr Studium ein Jahr früher. Die Frage „Was studieren?“ ist dringender den je.

    Genaue Zahlen gibt es noch nicht, doch viele Hochschulen berichten von einem massiven Anstieg der Bewerberzahlen – die FU Berlin spricht von 65% mehr Bewerbern und die Universität Frankfurt sogar um einen Anstieg von 250% (siehe auch ein Bericht zu Bewerberzahlen auf Studis Online). Wobei: Der Anstieg auf Studienplätze ist nicht überall so hoch. Ralf Mahler, Leiter der Studienberatung an der Universität Hannover, berichtet: „Die Belastung für viele Zulassungsstellen ist derzeit aufgrund der Vielfachbewerbungen zwar sehr hoch, allerdings hat sich bei unseren NC-Studiengängen die Nachfrage lediglich um 16% erhöht. Der große Ansturm ist bisher ausgeblieben.“

    Schlafende Deichgrafen

    Was tat der Staat? Als wichtigste Maßnahme wurde im Rahmen des Hochschulpaktes die Finanzierung der Hochschulen mit dem Ziel erhöht, ausreichend Studienplätze zu schaffen. Und tatsächlich gibt es mehr Studienplätze (zumindest im Bachelor). Pensionierten Professoren wurden reaktiviert und neue – wenn auch oft befristete – Stellen geschaffen. Reichen werden die zusätzlichen Plätze aller Voraussicht nach allerdings nicht. Oder um im Bild zu bleiben: Die Deiche wurden erhöht – sind aber nicht hoch genug.

    Das war einmal: Die Wehrpflicht vorm Studium ist abgeschafft. Jetzt stellt sich die Frage „Was studieren“ noch früher.

    Hinzu kommt ein massiver Fehler im System: Mehr als die Hälfte aller Studiengänge ist inzwischen mit einem Numerus Clausus belegt. Abgesehen von medizinischen Fächern wird über die Zulassung zum Studium in der Regel an der jeweiligen Hochschule entschieden. Das Problem: Abiturienten bewerben sich meist an einer Reihe von Hochschulen gleichzeitig, um ihre Chancen zu verbessern. Die besonders guten erhalten eine Reihe von Zusagen für Studienplätze, von denen sie natürlich nur einen annehmen können. Damit versperren sie zunächst anderen Bewerbern die Plätze. Es kommt zu mehreren Nachrückrunden. Das absurde Ergebnis: Einige der begehrten Plätze werden am Ende gar nicht gefüllt – obwohl es durchaus eine entsprechende Nachfrage gegeben hätte. Studienwahl absurd.

    Dies wäre allerdings leicht zu lösen: In vielen anderen EU-Staaten wird schon seit langem die Verteilung der Bewerber auf die Studienplätze von zentraler Stelle übernommen. So erhalten Bewerber nur eine Zusage und versperren anderen nicht die Plätze. Bei uns sollte es 2010 so weit sein: Die Stiftung Hochschulstart sollte zu diesem Zeitpunkt ein entsprechendes System erarbeitet haben. Technologiepartner: Die staatseigene Firma Hochschulinformationssystem (HIS) sowie T-Systems. Doch das Projekt scheiterte, die verschiedenen Parteien schoben sich gegenseitig die Schuld zu – siehe auch mein Artikel zum Scheitern der Stiftung Hochschulstart und des HIS.

    Hochschulstart
    Studieren – was jetzt? Hochschulstart und HIS haben es verbockt.

    2011 sollte alles anders werden. Ursprünglich. Schon bald wurde klar, dass es nach wie vor Probleme geben würde. Ralf Mahler, Leiter der Studienberatung an der Universität Hannover, berichtet: „Die Hochschulen sind heilfroh, dass der Systemstart dieses Jahr abgesagt wurde, denn das hätte ein großes Chaos gegeben. Die Schnittstellen funktionierten nicht richtig. Wir hoffen nun auf 2012.“ Wie wir inzwischen wissen, hat dies ebenfalls nicht geklappt. Und auch 2013 ist extrem fraglich. Was studieren? Ein Lottospiel.

    Was studieren: So bekommt man doch noch einen Studienplatz

    An der insgesamt problematischen Situation könnt ihr nichts ändern. Doch durch Recherche und Engagement könnt ihr eure Position bei der Studienwahl deutlich verbessern. Denn das Hochschulsystem ist komplex – und daher gibt es einen Haufen Tricks und Ideen, doch noch an euren Traumstudienplatz zu kommen.

    1 – Auf Nachrücklisten für Studienplätze gehen

    Nachrücklisten gibt es wie oben beschrieben aus gutem Grund: Viele Studierende bekommen mehrere Zusagen und können nur eine annehmen. Selbst wenn man einen scheinbar schlechten Platz hat, kann Beharrlichkeit sich auszahlen – häufig kommt die Zusage in der zweiten oder dritten Runde.

    Doch was tun, wenn man eine Zusage von einer nur mittelmäßig attraktiven Hochschule hat und bei seiner Traumhochschule nur auf der Warteliste steht? Soll man den weniger attraktiven Studienplatz annehmen oder pokern? Man kann zunächst beides machen – ein angenommener Platz kann auch wieder abgesagt werden. Hochschulen sehen das nicht gerne, können dagegen aber nichts machen. Wenn man sich noch vor Vorlesungsbeginn wieder exmatrikuliert, bekommt man auch in der Regel seine gezahlten Studienbeiträge wieder erstattet – zumindest auf Antrag. Man kann also um den richtigen Studienplatz pokern. Je weiter die Zeit voranschreitet, desto schwieriger wird es allerdings: Ihr müsst euch ja um eine Wohnung kümmern, euch auf das Studium vorbereiten.

    2 – Studienplatzbörsen nutzen

    So in etwa müssen wir uns vermutlich Studienplatzbörse freie-studienplaetze.de vorstellen…

    Weiter oben haben wir beschrieben, wie Hochschulen durch Mehrfachbewerbungen überfordert sind und am Ende oftmals Plätze leer bleiben. Um dieses Problem zu begrenzen, gibt es Studienplatzbörsen. Hier werden frei gebliebene Plätze aufgelistet – meist befinden sich diese allerdings nicht in den beliebtesten Städten. Doch ein Studium kann auch abseits der Studierendenmetropolen großen Spaß machen.

    Die bekannteste Studienplatzbörse ist diejenige der Hochschulrektorenkonferenz – hier werden ab dem 1. September frei gebliebene Plätze gelistet. Daneben gibt es die Studienplatzbörse von studieren.de. Anders als die Webseite der Hochschulrektorenkonferenz enthält sie auch Informationen zu nicht mit NC belegten Programmen. Die Börsen erleichtern die Studienwahl unter harten Bedingungen.

    Bei den Restplätzen von NC-Studiengängen wird in der Regel gelost. Teilnehmen dürfen an der Studienplatz-Verlosung dabei fast immer auch Bewerber, die sich ursprünglich gar nicht an der jeweiligen Hochschule beworben hatten. Die Verfahren sind dabei unterschiedlich, man muss sich also an der jeweiligen Hochschule informieren.

    3 – Studienwahl lokal: In die Provinz gehen

    Gute Studienbedingungen und günstiges Essen: Studieren im Osten

    Was studieren – und wo? Berlin, Münster, Frankfurt und München sind Beispiele für bei Studierenden extrem beliebte Städte. Die hohen Bewerberzahlen führen zu entsprechenden höheren NCs. Beispielsweise hatte das Fach Betriebswirtschaftslehre an der HU Berlin 2010 einen Numerus Clausus von 1,4, während es an anderen Orten – zum Beispiel an den Unis Halle und Bamberg – zulassungsfrei ist. Wer also an seinem Traumort nicht genommen wurde, sollte schauen, ob dasselbe Studium anderswo vielleicht zulassungsfrei ist – denn für solche Studiengänge sind vielerorts die Fristen noch nicht abgelaufen. Im Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz könnt ihr in der Profisuche nach zulassungsfreien Studiengängen suchen.

    Eine besonders große Auswahl an zulassungsfreien Studienplätzen gibt es dabei erfahrungsgemäß in Ostdeutschland: Hier nehmen die Abiturientenzahlen in jüngerer Zeit deutlich ab und es kommen vergleichsweise wenige Bewerber aus anderen Teilen Deutschlands. Ein Fehler: Der Osten bietet teils hervorragende Studienbedingungen. Bei der Studienwahl sollte man also die Provinz nicht ignorieren.

    Infos zu vergangenen NC-Werten gibt es auf www.nc-werte.info – allerdings sollte man dabei im Hinterkopf haben, dass es sich meist um die NC-Werte vorm Nachrückverfahren handelt. Über die Nachrückliste kommen dann auch noch Leute rein, deren Abiturnote ein wenig schlechter ist.

    4 – Was studieren: Quereinstieg durch verwandte Studiengänge

    An allen Hochschulen gibt es mit NC belegte sowie zulassungsfreie Studiengänge. Bei letzteren kann sich jeder mit einer Hochschulzugangsberechtigung einschreiben – also auch noch mit einem Abitur von 4,0. Hat man es nicht in sein Traumfach geschafft, besteht die Option, sich für einen Studienplatz in einem verwandten Fach anzumelden und dann auf einen späteren Wechsel zu spekulieren. Ralf Mahler gibt ein Beispiel: „Scheitert man an der Universität Hannover am NC für Biochemie, ist das zulassungsfreie Fach Chemie eine Alternative. Im Laufe der Zeit werden bei Biochemie immer Plätze frei. Dort kann man sich dann als Chemiestudent bewerben und seine bisherigen Leistungen anrechnen lassen.“

    Ein späterer Wechsel ist bei vergleichbaren Studiengängen durchaus eine Option. Die Chancen, nach den ersten Semestern seinen Studienplatz im Wunschfach zu bekommen sind im Wesentlichen abhängig davon, ob Studienplätze im Wunschfach frei geworden sind. Diese Strategie hilft allerdings nur, wenn die Fächer auch tatsächlich nah beieinander liegen. Daher rät Mahler zur Vorsicht bei dieser Art der Studienwahl: „Das kann klappen, muss aber nicht – man braucht also gute Nerven. Bewerber sollten sich immer individuell erkundigen, ob und wie das in den vorherigen Jahren funktioniert hat. Wichtig ist: Im Zweifel muss man auch mit dem eigentlich nicht bevorzugen Studium leben können.“

    5 – Studieren im Ausland

    Studieren in Holland / den Niederlanden
    Eine runde Sache: Studieren in Holland

    Nicht nur Was studieren? ist eine wichtige Frage – sondern auch Wo studieren? Viele Deutsche zieht es zum Studium ins Ausland – denn besonders in den Studiengängen Medizin und Psychologie übersteigt die Nachfrage nach entsprechende Studienplätzen  das deutsche Angebot bei weitem. Besonders beliebt sind dabei Österreich und die Schweiz sowie die Niederlande, die ein sehr umfangreiches englischsprachiges Studienangebot haben. Insgesamt sind die Voraussetzungen in den meisten Studienfächern in unseren Nachbarländern weitaus weniger hart als in Deutschland. Wer also am harten NC bei uns verzweifelt, sollte einen Blick über die Grenze werfen.

    In Österreich endet die Bewerbungsfrist erst am 1. September. Auch in den Niederlanden ist eine Bewerbung je nach Fach und Hochschule noch bis Anfang September möglich. In der Schweiz dagegen laufen die Fristen schon im April ausgelaufen.

    6 – Die Kapazitätsklage: Auf Studienplatz klagen

    Eine Ablehnung fürs Studium ist ein Verwaltungsakt – und damit anfechtbar. Wenn die Ablehnung kommt, hat man vier Wochen Zeit, dieser schriftlich zu widersprechen. Diesen Widerspruch wird die Hochschule natürlich abschmettern – es folgt die Klage auf einen Studienplatz. Diese kannst du selber führen oder dir einen Anwalt nehmen. Einschlägige Anwälte führen häufig Studienplatz-Sammelklagen – es lohnt sich eine Nachfrage bei lokalen Studentenvertretern. Der jeweilige Anwalt wird gegenüber dem Gericht argumentieren, dass die Hochschule mehr Studierende aufnehmen kann als von ihr behauptet – daher der Name „Kapazitätsklage“. Gibt das Gericht der Klage statt, müssen so viele klagende Bewerber aufgenommen werden, wie es Plätze gibt.

    Die grundsätzlichen Erfolgschancen einer Klage sind von Fach zu Fach sehr unterschiedlich. In Medizin sind die Erfolgschancen eher gering. Hinzu kommt, dass meist mehrere Bewerber klagen und dann etwaige zusätzliche Plätze unter den Klägern verlost werden. Daneben kosten Anwälte viel Geld. Sammelklagen verteilen die Kosten auf mehrere Schultern, wer sich allerdings mit vielen Hochschulen anlegt, kann leicht hohe Summen ausgeben – ohne Erfolgsgarantie. Die Klage ist also eine Lotterie.

    Einen extrem guten Artikel mit vielen Links zur Kapazitätsklage gibt es auf Studis Online. Daneben bietet die Anwaltskanzlei Dr. Selbmann & Bergert eine sehr ausführliche Infobroschüre zur Studienplatzklage.

    7 – Wartesemester: Warten und Zeit mit anderen sinnvollen Dingen verbringen

    Eine Alternative zum NC ist das Anhäufen von Wartesemestern – je nach Fach vergeben Hochschulen 20 bis 50 Prozent der Studienplätze nach Wartezeit. Wartezeit erhält man für alle Aktivitäten nach der Schule – außer für ein anderes Studium in Deutschland. Wer dagegen im Ausland studiert, akkumuliert in der Regel Wartesemester. Dies ist allerdings nicht an allen Hochschulen so: Einige Hochschulen – darunter die FU Berlin – akzeptieren Auslandsstudienjahre nicht.

    Je nach Beliebtheit des Faches und der Hochschule können aber mehrere Jahre des Wartens notwendig werden. Wenn man allerdings nur knapp am NC scheitert, sollte man sich zum Sommersemester wieder bewerben – dann sind die erforderlichen Durchschnittsnoten meist etwas geringer.

    Falls ihr euch übrigens zum Warten entscheidet, wäre es schade, eure Zeit mit sinnlosen Aktivitäten zu verschwenden. Eine besonders spannende Alternative sind Freiwilligendienste im In- und Ausland. Hier arbeitet ihr eine bestimmte Zeit lang in einem sozialen oder kulturellen Projekt. Es gibt einige lohnenswerte Angebote im Ausland wie der Europäische Freiwilligendienst oder Weltwärts. Auch Sprachen lernen macht Spaß und man zehrt ein Leben lang davon – in exotischen Ländern sind Sprachkurse oftmals nicht allzu teuer. Weitere Möglichkeiten wären Praktika, Reisen, Jobs oder eine Ausbildung.

    8 – Was studieren: Rat bei der Studienwahl suchen

    Studienberatung bei der Studienwahl
    Ganz so viel sollte man sich von der Studienberatung nicht erwarten. Ein paar Anregungen auf die Frage „Was studieren?“ reichen schon

    Die Studienwahl ist gerade für Neulinge oftmals kompliziert und intransparent. Daher ist es immer ratsam, sich beraten zu lassen. Ralf Mahler rät allen erfolglosen Bewerbern, erst einmal ruhig Blut zu behalten: „Studierwillige sollten sich an die jeweiligen Studienberatungen wenden. Dort können sie alle Alternativen durchsprechen.“ Weitere Ansprechpartner sind die Studierendenvertreter, die in der Regel im sogenannten AStA oder im Studierendenrat organisiert sind. Daneben hilft natürlich auch das Forum von Studis Online.

     

    Anmerkung: Dieser Artikel ist zuerst hier auf der hervorragenden Studierendenplattform Studis Online erschienen.

    Bilder:

    Bild 1 (Welle): Garuna bor-bor / Flickr.com

    Bild 2 (Wehrpflicht): Andrew Becraft / Flickr.com

    Bild 3 (Fragezeichen): David M* / Flickr.com

    Bild 4 (Börse): Ahmad Nawawi / Flickr.com

    Bild 5 (Bratwurst Sachse): frollein2007 / Flickr.com

    Bild 6 (Gouda): manuel | MC / Flickr.com

    Bild 7 (Hand): Funkyah / Flickr.com

  • Studienplatzvergabe: Jetzt wird es hart

    Nun ist es offiziell: Die zentrale Studienplatzvergabe durch die Stiftung Hochschulstart wurde dieses Jahr vergeigt. Von Experten lange vorausgesagt und von Offiziellen lange dementiert, wird es in diesem Jahr erneut Chaos geben.

    Hochschulstart.de

    Mit einer pessimistischen Einschätzung Recht zu behalten, hat einen schalen Beigeschmack. Ich hatte bereits im März berichtet, dass es mit der zentralen Studienplatzvergabe 2011 wohl nichts wird. Nun berichtet Spiegel Online, dass die Schuld vor allem beim HIS zu suchen ist. Die staatliche Firma, deren Track Record in Sachen Hochschulsoftware eher gemischt ist, schafft die Anbindung an die eigene Software an den Hochschulen nicht. Der Spiegel wittert Vetternwirtschaft – der Staat vergibt Aufträge an eine nur mittelkompetente staatseigene Firma. Wie dem auch sei, das Kind liegt im Brunnen und kommt vor 2012 auch nicht mehr heraus.

    Die Frage ist nun: Was tun? In meinem Artikel vom März gebe ich Abiturienten vier Tipps:

    1. Viele Bewerbungen schreiben

    2. Ausland in Betracht ziehen

    3. In die Provinz gehen

    4. Notfalls klagen

    Doch es gibt natürlich noch mehr Möglichkeiten, die Studienplatzvergabe zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Welche das sind? Dazu demnächst ein umfassender Artikel.

    Bild: Alex Proimos / Flickr.com

  • Auswahlgespräche an Hochschulen: Die Qual der Auswahl

    Für Arbeit und Praktika sind sie Standard: Vorstellungsgespräche. Doch auch an Universitäten und Fachhochschulen sind Auswahlgespräche inzwischen mitunter Teil des Bewerbungsprozesses. Was hat man bei Interviews zu erwarten?

    Nicht nervös werden: Auswahlgespräche sind in der Regel fair und respektvoll.

    Als Simon Jessens Zug in Tübingen einrollt, ist er angespannt. Aus gutem Grund: Für 15:00 Uhr ist er zum Auswahlgespräch für den Master in General Management an der Universität geladen. Etwa 90 Personen werden begutachtet, 25 Plätze gibt es zu verteilen. Er macht sich auf den Weg zur Universität.

    Das auf 30 Minuten angelegte Auswahlgespräch beginnt pünktlich. Simon gegenüber sitzen ein Professor der Fakultät sowie sein wissenschaftlicher Mitarbeiter. „Herr Jessen, schön, dass Sie hier sind!“ Mit der freundlichen Begrüßung legt sich schnell seine Nervosität. Das Bewerbungsgespräch beginnt direkt: „Ich wurde nach den Gründen für meine Bewerbung und meine Entscheidung für meinen Bachelor befragt. Ich sollte vor allem begründen, warum ich mit einem Bachelor in Wiwi und Politik einen Management-Master machen wolle. Fiese Fragen gab es nicht.“ Auch eine Fachfrage wurde gestellt: „Ich musste die Eurokrise und die Haltung der Bundesregierung dazu bewerten.“ Als besonders hart empfang Simon das Gespräch nicht. „Es ging eher um ein gegenseitiges Abtasten. Ich hatte das Gefühl, dass sich hier zwei Seiten beieinander bewerben. Ich an der Universität Tübingen und die Universität Tübingen bei mir.“

    Auswahlgespräche gibt es in allen Fachbereichen

    Nach Angaben des Hochschulforschungsinstituts HIS aus Hannover musste sich im Wintersemester 2009/10 nur eine Minderheit von etwa 5% persönlich einem Prüfungsgremium stellen. Auswahlgespräche gibt es dabei sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen. Von den Fächern her ist die Verteilung breit: Von Politik bis Ingenieurwissenschaften, von Medizin bis BWL gibt es in allen Bereichen Studiengänge, die ihre Bewerber zu Auswahlgesprächen laden. Besonders häufig werden Bewerber für künstlerische Studiengänge zu Gesprächen geladen. Klar – denn hier zählen weniger die Schul- und Bachelornoten, sondern künstlerisches Potential.

    Warum gibt es nur bei 5% der Hochschulen Interviews? Bewerbungsgespräche stellen für Hochschulen einen hohen Aufwand dar. Professoren und Mitarbeiter verbringen viel Zeit mit Organisation und Auswahl. Oftmals sind Teile der Fakultät für eine Woche mit nichts anderem beschäftigt.

    Auswahlgespräche: Bewerber werden in Schwärmen geladen, doch nur ein Teil kommt durch.

    Laut einer Studie des HIS aus dem Jahr 2006 finden Interviews „unter allen Auswahlverfahren bei den Bewerbern die höchste Akzeptanz“. Gelobt wird vor allem die Möglichkeit zur „persönlichen Begegnung“. Professor Carsten Rennhak von der ESB Business School in Reutlingen: „Für uns ist das persönliche Kennenlernen der Bewerber essentiell. Es geht uns ja nicht nur um Leistungsfähigkeit, sondern auch um Motivation, Neugier und soziale Kompetenz. “

    Zum Interview gebeten werden nicht alle Bewerber – dies würde organisatorisch den Rahmen für die Hochschulen sprengen. Eine Einladung zum Auswahlgespräch erhalten diejenigen mit den jeweils besten Durchschnittsnoten und den ansprechendsten Bewerbungen – meist werden drei- bis fünfmal so viele Bewerber eingeladen wie Plätze vorhanden sind.

    Was passiert an den Auswahltagen?

    Hochschulen organisieren ihre Auswahlgespräche meist über mehrere aufeinander folgende Tage. Die Bewerber müssen an einem vorher festgelegten Tag an der Hochschule sein. Manche nennen eine genaue Zeit, andere nur den Tag, so dass Bewerber im schlimmsten Fall morgens an der Hochschule erscheinen und erst am späten Nachmittag befragt werden. Eine Medizinbewerberin an der Universität Greifswald berichtet von ihrem Bewerbungsgespräch: „Ich musste fast vier Stunden auf das Interview warten.“

    Die Größe der Auswahlkommission ist unterschiedlich. Waren es bei Simon zwei Personen, saß Fabian Guhl, der sich für die Business School ESCP Europe beworben hatte, nur einem Professor gegenüber. „Das hatte mich schon überrascht.“ An der ESB Business School führen stets drei Personen das Auswahlgespräch: Ein Professor, ein Studierender sowie ein Alumnus oder Firmenvertreter. Doch es geht noch höher: Wer sich für das Europakolleg in Brügge bewirbt, sieht sich zehn Kommissionsmitgliedern gegenüber.

    Interviews an Universitäten und Fachhochschulen dauern in der Regel 20 bis 30 Minuten, können aber bis zu 90 Minuten lang sein, wie es an der ESB der Fall ist. Mitunter müssen die Bewerber zusätzliche Tests ablegen. Dabei werden – je nach Hochschule und Studiengang – Intelligenz, mathematische Fähigkeiten und Sprachkenntnisse abgefragt. Diese sind von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich. Es kann sich lohnen, aktuelle Studierende um Rat zu fragen. Per Facebook, StudiVZ oder Xing sollte es nicht allzu schwer sein, an entsprechende Kontakte zu kommen.

    Bewerber sitzen meist alleine vorm Auswahlkomitee. Doch das halten nicht alle Hochschulen so: An der ESB werden bei den Auswahlgesprächen stets drei Kandidaten gleichzeitig befragt. „Wir wollen eine Diskussion zwischen den Bewerbern sehen“, so Professor Rennhak.

    Das Interview – welche Fragen werden gestellt?

    Europakolleg: Brügge sehen und studieren

    So unterschiedlich Auswahlgespräche ablaufen, viele Dinge sind allen gemeinsam. „Fachliche Qualifikation ist unerlässlich. Hinzu kommen Fragen zur Motivation“, so Nicolaus Heinen, der sich als Alumnus im deutschen Auswahlkomitee für das Europakolleg Brügge engagiert – er ist außerdem Mitautor meines Buches Master nach Plan. Beim Europakolleg Brügge handelt es sich um eine Hochschule in Trägerschaft von Europäischer Kommission und Europaparlament, die jährlich 250 Studierende aus ganz Europa in fünf Masterstudiengängen auf Tätigkeiten in EU-Institutionen vorbereitet. Die Studierenden werden von den Mitgliedstaaten der EU entsandt. Heinen arbeitet als Europaanalyst bei der Deutschen Bank.

    Lebenslauf und Motivationsschreiben geben das Gespräch in Teilen vor. Wie begründet man seine Entscheidungen in der Vergangenheit? Wo möchte man hin? Diese Fragen sind in der Regel einfach zu beantworten – es sei denn, es ergeben sich logische Lücken im Lebenslauf. „Da haken wir natürlich nach“, so Heinen.

    Fachliche Fragen sind bei der Bewerbung zum Bachelor weniger zu erwarten – im Gegensatz zu Masterprogrammen. Nach Heinen Erfahrung scheitern die meisten Bewerber im Auswahlgespräch des Europakellegs an „mangelndem Fachwissen zur europäischen Integration.“

    Bei Bachelorbewerbern zählt dagegen weniger das Fachwissen und mehr die Motivation. Professor Rennhak: „Wir wollen diejenigen, deren Herzblut für unsere Hochschule schlägt. Von Abiturienten erwarten wir natürlich keine tieferen Fachkenntnisse, allerdings sollten sie sich mit den Inhalten und der Struktur des Studiums befasst haben. Wir erwarten eine klare Story: Warum will ich unbedingt an die ESB.“ Auch andere Werte zählen: „Soziales Engagement ist an der ESB ein großes Plus.“

    Eine Grundaffinität zum Fach sollte es allerdings auch bei Bachelorbewerbern geben: Wer sich an einer Business School bewirbt, sollte durchaus damit rechnen, Fragen zu Angebot und Nachfrage zu beantworten. Ein Beispiel aus einem Bewerbungsgespräch an einer Business School: „Im Bahnhofsshop kostet ein Blumenstrauß 20 Euro. Erklären Sie mir, wie dieser Preis zu Stande kommt.“ Hierbei kann natürlich niemand die genaue Kostenrechnung eines Blumenladens kennen. Vielmehr sollte man logisch herleiten können, wie der Preis zustande kommen könnte: Einerseits durch Kosten (Blumen, Miete, Personal etc) und durch Nachfrage (Konkurrenzsituation, saisonale Effekte etc).

    Fiese Fragen kommen eher selten vor.

    Besondere Angst haben viele Bewerber vor Stressfragen wie „Wie viele Autos werden pro Jahr in Deutschland produziert?“ oder „Warum sind Kanaldeckel rund?“ Diese kommen allerdings nur selten vor. Professor Rennhak: „Stressfragen stellen wir in der Regel nicht, allerdings testen wir schon die kognitiven Fähigkeiten der Bewerber, zum Beispiel durch mathematische Fragen.“ Auch Fangfragen sind selten – „es sei denn, der Bewerber fordert sie durch forsches Auftreten heraus“, so Heinen.

    Sollten solche Fragen im Auswahlgespräch kommen, empfiehlt es sich, ruhig zu bleiben. Kaum einer kann aus dem Kopf wissen, wie viele Autos produziert werden. Man kann allerdings mit Annahmen arbeiten. Zum Beispiel könnte man aus der Zeitung wissen, wie viele Autos ein einzelner Hersteller produziert, zum Beispiel VW (2010: 7,2 Millionen). Dann überlegt man, wie viele Autos andere Hersteller vermutlich absetzen. Am Ende könnte man die Summe halbieren, da deutsche Hersteller ja auch im Ausland Fabriken besitzen. Und auch wenn man mit seiner Endzahl vielleicht meilenweit daneben liegt, hat man eine gute Antwort geliefert. Die richtige Antwort für 2010 lautet übrigens: 5,55 Millionen.

    Bewerber sollten damit rechnen, dass sie während des Interviews teilweise in Fremdsprachen antworten müssen. An der ESB findet die Vorstellungsrunde zu Beginn in Englisch statt. Und bei der Bewerbung fürs Europakolleg werden laut Heinen alle Sprachen durchgegangen, „die der Bewerber als Sprachkompetenz angegeben hat.“

    Die richtige Vorbereitung

    Wer eine Einladung zum Auswahlgespräch erhalten hat, sollte sich gut vorbereiten. Folgende Schritte sind sinnvoll:

    1. Zeitung lesen

    Wer sich für einen grundständigen Studiengang bewirbt, muss keine tieferen Fachkenntnisse mitbringen. Wichtig ist eher, die aktuelle Presse mit Blick auf den Studiengang zu lesen. Besonders eigenen sich Wochenzeitungen, da diese eher langfristige Trends betrachten als das Tagesgeschehen. Wer sich für Medienwissenschaften bewirbt, sollte sich schlau machen, was medienpolitisch gerade diskutiert wird. Wer sich für Medizin bewirbt, sollte eine Meinung dazu haben, wie das Gesundheitssystem reformiert werden kann. Und wer sich für internationale Politik interessiert, muss wissen, was gerade in der EU diskutiert wird. Im Master ist es anders: Hier werden auch gute Fachkenntnisse vorausgesetzt.

    2. Sich mit dem angestrebten Studium befassen

    Man wird im Auswahlgespräch in jedem Fall nach den Gründen für die Bewerbung an der Universität oder Fachhochschule gefragt werden. Wer dabei zu allgemein bleibt, hat schlechte Karten.

    3. Sich vorher informieren

    Wer mehr über den konkreten Ablauf der Gespräche wissen möchte, kann aktuelle Studierende an den jeweiligen Hochschulen kontaktieren – entweder über Freunde oder durch eine Suche in sozialen Netzwerken. Bei intensiver Recherche findet man auch immer wieder Erfahrungsberichte im Internet.

    Dresscode: Lieber nicht zu viel Zeit auf die Frage nach der richtigen Kleidung verschwenden.

    4. Vorstellung üben

    Vielfach werden Bewerber zu Beginn des Interviewsgebeten, sich kurz vor zu stellen. Wer darauf nicht vorbereitet ist, kommt leicht ins stocken: Es ist gar nicht leicht, ein oder zwei Minuten über sich selbst zu sprechen. Was sollte man sagen? Es geht vor allem darum, die wichtigsten Stationen des Lebenslaufes flüssig und in sich logisch darzustellen und dabei möglichst eine Verbindung zum angestrebten Studium aufzubauen.

    5. Nicht zu viele Gedanken auf die Kleiderwahl verschwenden

    In Sachen Dresscode gibt es für Bewerber von nicht-wirtschaftlichen Fächern auch an renommierten Hochschulen keinerlei Vorgaben. Normale Alltagskleidung gilt im Auswahlgespräch als akzeptabel. Bewerberinnen sollten allerdings darauf achten, nicht zu freizügig zu erscheinen. Auch Business Schools gehen nach Auskunft von Professor Rennhak von der ESB Business School eher locker mit der Kleiderwahl um: „Ein 18jähriger Abiturient im schwarzen Anzug wirkt eher unnatürlich. Bewerber sollten sich etwas anziehen, in dem sie sich wohlfühlen – als Daumenregel würde ich zu ‚normaler Kleidung plus’ raten, also etwas schicker als normalerweise.“ Wer sich allerdings für einen Businessmaster oder gar für einen MBA bewirbt, sollte zu Anzug oder Kostüm greifen.

    6. Authentisch bleiben

    Laut Nicolaus Heinen überzeugt man nicht mit markigen Sprüchen: „Zurückhaltung gewinnt. Es zählen Fachwissen, gute Argumente – und im Falle eines Falles auch das ehrliche Eingeständnis, eine Antwort nicht zu wissen.“

    Zu- und Absagen

    Mit der richtigen Vorbereitung sollte dies zu vermeiden sein.

    Normalerweise erfährt man einige Wochen nach dem Gespräch, ob es geklappt hat. Fabian, der sich an der ESCP Europe beworben hatte, hatte kein gutes Gefühl: „Das Gespräch lief in meinen Augen nicht allzu gut. Ich war sehr positiv überrascht, als dann die Zusage in der Post lag.“ Doch es geht auch schneller. Das Gespräch an der Universität Tübingen endete für Simon mit einer positiven Überraschung. „Herr Jessen, der Ball liegt bei Ihnen – wir bieten Ihnen einen Studienplatz an.“

    Anmerkung: Dieser Artikel ist zuerst hier erschienen – auf der extrem empfehlenswerten Webseite Studis Online, die in allen Fragen rund ums Studium einen Besuch wert ist.

    Bild 1 (Auswahlgespräch): Alex Eylar / Flickr.com

    Bild 2 (Vögel): etgeek / Flickr.com

    Bild 3 (Brügge): Gilderic / Flickr.com

    Bild 4 (Roboter): pasukaru76 / Flickr.com

    Bild 5 (Schuhe): Joël Evelyñ & François / Flickr.com 

    Bild 6 (Absage): Caro Wallis / Flickr.com 

  • Selbstlob im Motivationsschreiben

    Eine Abiturienten, die sich für ein Bachelorstudium bewirbt, wandte sich mit einer Frage zum Selbstlob in Motivationsschreiben an mich. Eine kniffelige Angelegenheit: Wie soll man in Motivationsschreiben seine Stärken zum Ausdruck bringen?

    Nicht geruchsneutral: Eigenlob

    „Hallo!

    Ich schreibe gerade an einem Motivationsschreiben für die Bewerbung für einen Bachelorstudiengang in Biologie. Mir fällt es dabei ziemlich schwer, „Lobeshymnen“ von mir selbst zu schreiben. Nun bin ich auf die Idee gekommen eine Passage aus einem früheren Zeugnis zu zitieren, in der meine Eigenschaften sehr gut wiedergegeben werden.

    Meine Frage: Ist das völlig abwegig und handle ich mir damit nur Kopfschütteln ein oder durchaus machbar? Die Passage wäre folgendermaßen eingebaut:

    Was bringe ich mit?

    In der Bildungsempfehlung für das Gymnasium stellte meine Grundschullehrerin folgendes fest:

    „Anne kann sich leicht auf neue Lerninhalte einstellen. Logisches Denken, mathematisches Kombinieren und das finden origineller Lösungswege prägen ihre Arbeitsweise. […] Ihre Arbeitsweise ist sowohl ausdauernd als auch von Selbstständigkeit und Zielstrebigkeit geprägt.“

    Neben den genannten Eigenschaften verhalfen mir Lernfreudigkeit und eine schnelle Auffassungsgabe stets zu guten bis sehr guten Zensuren – besonders in den naturwissenschaftlichen Fächern. Resultat meiner Leistungen im Fach Biologie war die Verleihung des Mehmet – Scholl – Abiturientenpreises vom Verband Biologie e.V*.

    Wenn das so möglich ist: Wie zitiere ich dann korrekt? Jahreszahl und Autor dahinter in Klammern?

    Über Ihre Hilfe wäre ich sehr dankbar.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Anne Erling*“

    Meine Antwort:

    Liebe Frau Erling,

    vielen Dank für Ihre Frage! Dass Lobeshymnen in Ihrer Bewerbung Ihnen schwer fallen, ist verständlich. Folgen Sie Ihrem Reflex und verzichten Sie darauf. Denn sie klingen im Motivationsschreiben in der Tat merkwürdig, egal, ob sie zitiert wurden oder Sie sie selbst geschrieben haben.

    Wobei: Eine dosierte Selbstzuschreibung bestimmter Eigenschaften in Motivationsschreiben ist durchaus in Ordnung. Ein Beispiel, das okay wäre:

    Ich bin in der Lage, auch unter hohem Stress gute Resultate zu erzielen. In meiner Eigenschaft als Studierendenvertreterin war es meine Aufgabe, an den extrem arbeitsintensiven Verhandlungen zu XXX teilzunehmen, gleichzeitig arbeitete ich an meiner Bachelorarbeit. Trotz der Doppelbelastung habe ich beide Aufgaben erfolgreich abgeschlossen.

    Sie sollten Ihre positiven Eigenschaften in Ihrer Bewerbung fürs Studium vor allem durch Fakten darstellen. Wenn Sie freiwillig Altenbetreuung machen, wird der Leser Sie für sozial kompetent halten, ohne, dass Sie sagen: „Ich bin sozial kompetent“. Wenn Sie gute Noten haben, geht der Leser davon aus, dass Sie logisch denken können und eine hohe Auffassungshabe haben. Das müssen Sie nicht noch extra sagen. Erwähnen Sie den Preis, sagen Sie aber nicht, dass es Ihre „Lernfreude und schnelle Auffassungsgabe“ waren, die Ihnen zum Preis verholfen hat. Im Übrigen liegt Ihre Gymnasialempfehlung so lange zurück, dass sie eh kein Argument für Ihr Motivationsschreiben ist.

    Also, ganz praktisch: Streichen Sie Ihren vorgeschlagenen Absatz komplett. Erwähnen Sie das Schreiben bitte nicht in Ihrem Motivationsschreiben für den Bachelor. Erwähnen Sie aber auf jeden Fall den Preis, denn das ist super. Aber erwähnen Sie ihn anders. Ein Beispiel, das Sie so gerne kopieren dürfen:

    In der Schule entwickelte ich eine besondere Leidenschaft für das Fach Biologie und wählte es in der Oberstufe als Leistungskurs. Neben meiner guten Abiturnote in dem Fach (13 Punkte) spiegelt vor allem der Gewinn des Mehmet – Scholl – Abiturientenpreises vom Verband Biologie e.V. meine große Vorliebe für die Biologie wider. Den Preis erhielt ich für meine Untersuchung der heimischen Butterblume. Dabei setzte ich mich gegen 52 Mitbewerber durch.

    Ich wünsche Ihnen alles gute bei Ihrer Studienbewerbung! Ach ja: Auf dieser Seite finden Sie eine umfangreiche Anleitung zu Motivationsschreiben für Bachelor und Master. Außerdem gebe ich Ratschläge zu den häufigsten Fehlern im Motivationsschreiben.

    Mit besten Grüßen,

    Sebastian Horndasch

    *Namen geändert

    Bild: Axel Kuhlmann / Flickr.com

  • Mastersuche: Wo sind all die Studienplätze hin?

    Die Bewerbungssaison für Masterstudiengänge ist in vollem Gang. Und schon jetzt zeichnet sich ab: Viele hoffnungsfrohe Bewerber werden ohne Master bleiben. Doch das müsste nicht sein. Ein Plädoyer für mehr Engagement bei der Bewerbung – und mehr Realismus.

    Falls es mit der Traumuni nichts wird, ist man gut beraten, noch weitere Eisen im Feuer zu haben.

    Auf den ersten Blick ist es verwirrend: Studenten klagen darüber, trotz mehrerer Bewerbungen keinen Masterstudienplatz erhalten zu haben, die Presse berichtet über Bachelorabsolventen, die es trotz guter Noten nicht in den Master geschafft haben und Studentenverbände sowie Gewerkschaften laufen Sturm gegen das Prinzip des Aussiebens zwischen Bachelor und Master. Einerseits. Andererseits wiederholt die Hochschulrektorenkonferenz (die Vertretung der deutschen Hochschulen) jedes Jahr mantraartig, dass es genug Masterstudienplätze für alle Bewerber gäbe.

    Mastermangel – wer liegt falsch?

    Auf den ersten Blick muss hier eine Seite falsch liegen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Das Problem: Eine große Anzahl an Bachelorabsolventen bewirbt sich an einer kleinen Anzahl an Hochschulen. Besonders beliebt sind dabei die typischen Verdächtigen: Münster, Berlin, Köln, München, Freiburg, also Orte, an denen ein guter Ruf der Hochschulen mit besonders attraktiven  Lebensbedingungen korrespondiert. Hier übersteigt die Bewerberanzahl die Anzahl der verfügbaren Plätze leicht um das fünf- bis zehnfache. Dass dabei auch viele qualifizierte Studierende auf der Strecke bleiben, versteht sich. Und wer von Beginn an nur mittelgut auf den Master passt, hat keine Chance.

    Hinzu kommt dabei auch ein tatsächlicher Mastermangel: Nur ein Drittel der Bachelorabsolventen machen einen Master in Deutschland, was deutlich unter der Zahl der eigentlich Masterwilligen liegen dürfte. Wie viele tatsächlich einen Master machen wollen und ohne Platz bleiben, ist allerdings unklar: Es gibt schlicht und einfach keine verlässlichen Erhebungen zu diesem Thema.

    Und doch gibt es die begehrten Masterstudienplätze. Und zwar an Orten, die nicht sofort ins Auge fallen. An ostdeutschen Hochschulen wie der Uni Erfurt, der Uni Jena, der Uni Cottbus oder der Uni Halle. An Fachhochschulen in der Provinz. In auf den ersten Blick weniger attraktiven westdeutschen Städten wie Bochum oder Darmstadt. Hier bewerben sich häufig viel zu wenig Studierende für den Master.

    Breit suchen, realistisch bewerben

    Für den Mangel an Master-Studienplätzen kann es nur politische Lösungen geben, die in Zeiten knapper Kassen zumindest nicht über Nacht kommen werden. Man kann aber individuell einiges tun, um seine Chancen zu verbessern. Folgende Dinge sollte man bei der Bewerbung beachten:

    1. Realistisch bleiben!

    Man kann man inzwischen mit einem FH-Bachelor bei guten Noten für einen Uni-Master angenommen werden. Hat man allerdings lediglich einen Berufsakademie-Abschluss, ist auch bei hervorragenden Leistungen der Erfolg an einer beliebten Universität unwahrscheinlich. In diesem Fall sollte man es vielleicht eher an einer guten Fachhochschule versuchen – oder einer eher unpopulären Universität.

    2. Die Wetten hedgen

    Hedging kennt man aus der Finanzbranche – gemeint ist damit die Absicherung der eigenen Position durch Wetten auf verschiedene Szenarien. Im Klartext: Wer unbedingt einen Master machen möchte, sollte sich an mehreren Hochschulen bewerben – idealerweise auch an ein oder zwei, die eher zweite Wahl sind, dafür aber weniger Bewerber haben. Denn ein nicht ganz idealer Studienplatz ist besser als keiner.

    Mitunter muss man weite Wege gehen, um den passenden Master zu finden.

    3. Master im Ausland in Betracht ziehen

    Die Aufnahmekriterien für den Master sind in vielen Ländern weniger hart als bei uns. Niederlande, Schweiz, Großbritannien, überall hier kommt man im Schnitt leichter in die Programme. Dafür muss man leider Studiengebühren zahlen. Dennoch, der Master im Ausland lohnt sich, wie ich schon mehrfach in diesem Blog betont habe.

    4. Master nach Plan kaufen

    Master nach Plan enthält alle Infos und Hilfestellungen für Masterwahl und –bewerbung – inklusive Musterdokumenten auf Deutsch, Englisch und Französisch. Master nach Plan ist für nur 9,95 bei Amazon erhältlich.

    Bilder: 1. Chris Devers, 2. h.koppdelaney

  • Anleitung: So schreibt man das Motivationsschreiben

    Schreibblockade beim Motivationsschreiben? Horndasch hilft!

    Auf der von mir sehr geschätzten Informationsseite Studis Online habe ich einen ausführlichen Artikel zur Anfertigung guter Motivationsschreiben veröffentlicht. Wer also ausführliche Infos braucht und vor dem Kauf von Master nach Plan zurück schreckt, kann vertrauensvoll meinen Artikel mit dem Titel „Motivationschreiben – Wie sag ich’s nur?“ lesen. Der Artikel steht in einer überarbeiteten und leicht erweiterten Version auch auf dieser Seite: Die Anleitung fürs Motivationsschreiben zum Studium.

    Bild: Jörg Kantel / Flickr.com

  • Horndasch antwortet: Master nach Zertifikatsabschluss

    Nach einem Vortrag kam Nina  zu mir, eine verzweifelte Studentin: Sie hatte an einer privaten Einrichtung in Düssledorf Design studiert. Ihrem Wunsch, einen Master anzuschließen, stand eines im Weg: Sie erhielt zum Abschluss keinen Bachelor, sondern ein Zertifikat. Ihre Frage: Reicht das für den Master?

    Unmöglich ist die Zulassung zu Master mit einem Zertifikat nicht, einfacher ist es aber, anstelle des Zertifikatsstudiums gleich einen Bachelor zu machen

    Ninas Fall bestätigt mein immer wieder geäußertes Misstrauen gegenüber vielen privaten Hochschulen. Zwar gibt es einige hervorragende – andere verkaufen allerdings nur billigen Wein in bunten Schläuchen. Richtig übel wird es, wenn private Anbieter mittels Täuschung unerfahrene Abiturienten dazu bringen, viel Geld für einen nicht anerkannten Abschluss zu bezahlen. Ninas Schule warb damit, staatlich anerkannt zu sein. Was sie nicht hervorhob, war, wofür sie eigentlich anerkannt ist. Nämlich nicht für die Vergabe von Hochschabschlüssen. Ein Zertifikatsabschluss ist anders als der Bachelor nicht geschützt, jeder kann ihn vergeben.

    Doch wie stehen Ninas Chancen, mit einem Zertifikatsstudium einen Master studieren zu dürfen? Die rechtliche Lage ist zunächst eindeutig, wie Frau Doktor Juliane Bally von der Hochschulrektorenkonferenz klarstellt: „Die Hochschulzulassungsgesetze sehen als Zugangsvoraussetzung für einen Master einen Bachelorabschluss oder gleichwertigen Abschluss vor. Ein reiner ‚Zertifikatsabschluss’ genügt nicht, um den Zugang zu einem Masterstudium zu erwerben.”

    Master mit Zertifikat – undenkbar?

    Kann Nina sich also den Traum von einem Masterstudium mit ihrem Zertifikatsabschluss aufgeben? Nicht ganz. Doktor Bally: „Ein Zertifikat kann stets als Zusatzqualifikation mit eingebracht werden. Inwieweit die dazu erbrachten Leistungen für einzelne Studiengänge angerechnet werden können, ist in den Prüfungsordnungen der Hochschulen und in den landesrechtlichen Bestimmungen geregelt.”

    Im Klartext: Nina könnte sich für einen laufenden Bachelorstudiengang bewerben und ihre Leistungen aus dem Zertifikatsstudium dort anerkennen lassen. Doch wie leicht geht das? Nachfrage bei Professor Steffen Schulz aus dem Fachbereich Design der FH Münster: „Man muss hier von Fall zu Fall prüfen, inwieweit die Institutionen anerkannt sind. In einem etwaigen nächsten Schritt muss man sehen, ob sich die Inhalte des Zertifikatsstudiums in unserem Lehrplan wieder finden beziehungsweise ‚deckungsgleich’ sind. Eine generelle Info kann man daher nicht geben.“

    Es gibt eine Reihe von Ausnahmen von der Regel, dass für die Aufnahme eines Masters ein Bachelor nötig ist. Viele Bundesländer ermöglichen es Bewerbern mit Berufsausbildung und mehreren Jahren Berufstätigkeit, auch ohne vorheriges Studium einen weiterbildenden Master zu machen. Daneben ist es in Hamburg möglich, einen künstlerischen Master zu machen, ohne dass man einen Bachelor besitzt.

    Wenn Nina also wirklich nach ihrem Zertifikatsstudium einen Master dranhängen möchte, wird sie sich strecken müssen. Sie kann versuchen, sich im Bachelor einzuschreiben oder nach einigen Jahren Berufstätigkeit einen weiterbildenden Design-Master machen. Besser wäre es aber gewesen, von Anfang an auf das Zertifikat zu verzichten und einen Bachelor anzustreben.

    Bild: Roland Peschetz / Flickr.com

  • Studienplatzvergabe: Was tun wenn’s brennt?

    Was studieren? Im Jahr 2011 werden sich mehr Abiturienten denn je an deutschen Hochschulen für ein Studium einschreiben. Grund dafür sind die ersten doppelten Abiturjahrgänge, die Abschaffung der Wehrpflicht und eine allgemein gestiegene Studierneigung. Überfüllte Hörsäle werden dabei allerdings das geringere Problem sein – es droht Chaos bei der Zulassung zum Studium. Woran das liegt – und was man bei der Studienwahl tun kann.

    Die haben leicht reden.

    Etwas mehr als die Hälfte aller in Deutschland angebotenen Studiengänge sind mit einem NC belegt. Mit Ausnahme von medizinischen Fächern regeln die Hochschulen dabei die Aufnahme in die entsprechenden Studiengänge unabhängig voneinander. Die Verfahren zur Studienplatzvergabe unterscheiden sich von Ort zu Ort: Mal werden bei der Bewerbung fürs Studium Motivationsschreiben verlangt, mal Lebensläufe, mal werden bestimmte Noten doppelt gewertet. Das System führt schon seit Jahren zu Chaos und Verwirrung, denn viele Abiturienten bewerben sich auf 10, 15 oder gar 20 Studienplätze, um sicher zu sein, tatsächlich einen zu bekommen. Die besten bekommen mehrere Zusagen, während andere mit Wartelisten vorlieb nehmen müssen. Am Ende bleiben einige Bewerber ganz ohne Studienplatz oder erhalten ihre Studienplatzzusage weit nach Semesterstart – und gleichzeitig bleiben viele Studienplätze leer, trotz hoher Nachfrage.

    Die Lage ist unhaltbar – und der Wille zur Veränderung ist da. Denn eigentlich war alles klar: Zum April diesen Jahres sollte eine Software an den Start gehen, die alle Bewerbungsverfahren zentral managt. Programmiert wird sie von der Stiftung Hochschulstart, T-Systems und dem Hochschulinformationssystem. Nun wird immer stärker deutlich, dass das Programm vermutlich nicht rechtzeitig fertig wird, wie Spiegel Online berichtet. Die Programmierung der umfangreichen Software zur Bewerbung fürs Studium stellt sich als zu kompliziert heraus. Es droht also ein erneutes Chaos bei der Studienplatzvergabe – dieses Jahr aufgrund der Studentenschwemme allerdings noch schlimmer.

    So bekommt man trotz Chaos einen Studienplatz

    Die Situation wird vermutlich chaotisch – und Studienbewerber werden damit umgehen müssen. Daher einige Tipps, wie man trotz Chaos einen Studienplatz findet.

    1. Viele Bewerbungen schreiben

    Viel bringt viel. An je mehr Hochschulen man sich bewirbt, desto höher die Chancen der Aufnahme ins Studium. Vor allem bei individualisierten Bewerbungsverfahren mit Motivationsschreiben und Essays hat man so größere Chancen auf den Studienplatz. Darüber hinaus rutscht man so auch bei Misserfolg in viele Nachrückverfahren rein – und hat so gute Chancen, doch noch einen Studienplatz zu erhalten. Der Aufwand ist höher, doch es lohnt sich.

    2. Ausland in Betracht ziehen

    Was und wo studieren? Ausländische Hochschulen kämpfen nicht mit denselben Kapazitätsproblemen wie deutsche. Hinzu kommt, dass im Ausland die Qualität der Universitäten oftmals besser ist. Für Deutsche Studenten sind Österreich und die Schweiz attraktive Ziele, auch die Niederlande, Skandinavien und Großbritannien verfügen über teils hervorragende Universitäten und Programme. In Großbritannien sind allerdings gerade massive Studiengebührenerhöhungen geplant. In diesem Blog habe einige Artikel zum Studium im Ausland geschrieben. Im Wiki von e-fellows.net findet man ebenfalls sehr gute Informationen zum Auslandsstudium.

    3. In die Provinz gehen

    Je beliebter die Stadt, desto härter das Aufnahmeverfahren. In Berlin beispielsweise sind mehr Fächer mit einem Numerus Clausus belegt als irgendwo sonst in Deutschland. Welche Studiengänge über einen NC verfügen und welche nicht, kann man über den Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz herausfinden. Doch dort stehen nicht die Werte, denn ein Numerus Clausus kann  auch bei leicht schaffbaren 3,0 liegen. Auskunft über vergangene NCs findet man bei nc-werte.info.

    4. Notfalls klagen

    Die Studienplatzklage ist ein zweischneidiges Schwert – viele scheuen sich aus moralischen Gründen oder aufgrund der Kosten – die übrigens immer weiter steigen, denn immer mehr Abiturienten klagen auf einen Studienplatz. Denn für viele ist es die letzte Möglichkeit, doch noch in den gewünschten Studiengang aufgenommen zu werden. Hier auf der Seite gibt es eine Übersicht zur Studienplatzklage.

    Bild: Copyright Cromacom / flickr.com

  • Bewerbung für den Master: Die Note zählt

    Das Verwaltungsgericht Münster erklärt eine Studienplatzvergabe anhand von Bewerbungsschreiben und Abiturnote für unzulässig. Zählen müsse in der Hauptsache die Bachelor-Abschlussnote. Was bedeutet dies für Bewerber?

    Wolken über das Domstadt: Die Universität Münster wird das Zulassungsverfahren zum Master ändern müssen.
    Wolken über das Domstadt: Die Universität Münster wird das Zulassungsverfahren zum Master ändern müssen.

    Die Universität Münster bewertet Bewerbungen für ihren Masterstudiengang BWL bisher nach einem Punktesystem: 20 Punkte gab es für die Abiturnote, 40 Punkte für die Bachelor-Abschlussnote und weitere 40 Punkte für sonstige Qualifikationsmerkmale wie dem Motivationsschreiben. Gegen diese Praxis klagte eine abgelehnte Bachelorabsolventin – und gewann: Das Verwaltungsgericht Münster hat das bisherige Zulassungsverfahren für den BWL-Master für vermutlich ungültig erklärt. Es verstoße „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gegen geltendes Recht“, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

    Der Grund: Das Verwaltungsgericht befand, dass letztenendes immer die Note ausschlaggebend für die Zulassung zum Masterstudium sein müsse. Andere Kriterien müssten zweitrangig bleiben.

    Konsequenzen für die Masterbewerbung?

    Was bedeutet dies für Bewerber für Masterstudiengänge? Zunächst nicht viel. Das Urteil ist erst einmal vorläufig. Darüber hinaus ist es noch nicht durch höhere Instanzen bestätigt worden. Wer sich also in München oder Hamburg für einen Master bewirbt, wird sich nicht auf das Urteil berufen können. Die direkten Auswirkungen werden sich, so das Urteil bestand hat, zunächst auf Münster und den Rest von NRW beschränken.

    Für Bewerber an anderen Hochschulstandorten ändert sich erst einmal nichts. Die Bewerbungsverfahren für den Master bleiben genauso unterschiedlich wie vorher. In manchen Fällen zählt nur die Bachelor-Abschlussnote, in anderen macht sie nur einen von vielen Teilen der Bewerbung aus.

    Langfristige Folgen für die zu Zulassung zum Master

    Sollte das Urteil zu Zulassungsverfahren für den Master Schule machen, hat dies gemischte Folgen für Bewerber. Auf der positiven Seite steht, dass die Verfahren einfacher und transparenter würden. Eine Zulassung oder Ablehnung für den Masterstudiengang wäre für die Betroffenen nachvollziehbarer.

    Allerdings: Transparenz bedeutet nicht gleich Gerechtigkeit. Im Gegenteil: Eine Zulassung zum Master hauptsächlich anhand von Bachelornoten würde für transparente Ungerechtigkeit sorgen. Während Abiturnoten noch vergleichbar sind, sind die Standards in der Notenvergabe für Bachelorabschlüsse von Ort zu Ort und je nach Studienschwerpunkt verschieden. Bei gleichem Aufwand und Talent wird ein BWL-Student mit juristischem Schwerpunkt im Bachelor eine schlechtere Abschlussnote haben, als Studierende mit Schwerpunkt Marketing. Auch sind die Noten von Uni zu Uni und von Professor zu Professor höchst unterschiedlich. Motivationsschreiben, Professorengutachten und Lebensläufe sind eine gute Möglichkeit, die Stärke von Bewerbern fürs Masterstudium auch abseits der Note zu bewerten. Außerdem geben diese Auswahlverfahren Hochschulen die Möglichkeit, nach Studenten mit einem bestimmten Profil zu suchen.

    Ob sich ein bestimmtes Verfahren für die Zulassung zum Master durchsetzt, wird sich mit der Zeit zeigen. Es bleibt aus Gründen der Gerechtigkeit zu hoffen, dass die Note sich nicht als entscheidendes Kriterium durchsetzt. Und aus Gründen der Transparenz, dass zumindest die Kriterien offen kommuniziert werden.

    Bild: Copyright Perrimoon / flickr.com