Was studieren? Anleitung zur schnellen Studienwahl

Was studieren, wo studieren, wie studieren? Der Studienbeginn naht – und noch ist unklar, wohin es gehen soll? Horndasch hilft – so funktioniert die Studienwahl auf die Schnelle.

In dieser Situation definitiv die falsche Lösung. Bild: Akbar Simonse / Flickr.com

Es ist kurz vor Studienbeginn – und das einzige, was sicher ist, ist, dass man etwas studieren will. Viele Fragen sind ungelöst – was studieren, an welchem Ort soll ich studieren und welche Möglichkeiten habe ich überhaupt noch? In dieser Klemme stecken jedes Jahr tausende Abiturienten. Die gute Nachricht: Es ist noch nicht zu spät für die Auswahl des Studiums. Die schlechte: Man sollte sich nun sputen.

Die Situation

Fürs Wintersemester gilt: Mitte Juli läuft die Bewerbungsfrist für sogenannte zulassungsbeschränkte Studiengänge ab – in einigen Fällen wie Medizin ist es sogar Mitte Juni. Die Bewerbungsfristen fürs Sommersemester enden in der Regel am 15. Januar. Zulassungsbeschränkte Studiengänge verlangen typischerweise einen bestimmten Abiturschnitt oder eine ausführliche Bewerbung mit Lebenslauf und Vorstellungsgespräch. Hier eine Erklärungen des Numerus Clausus.

Wer sich erst danach um einen Studienplatz kümmert, dem bleiben fürs Studium nur noch die zulassungsfreien Studiengänge. Doch glücklicherweise sind etwas die Hälfte aller Studiengänge zulassungsfrei – für große Auswahl an Bachelorprogrammen ist also gesorgt.

Erster Schritt – was studieren?

Mehr Infos: Bachelor nach Plan

Mein Buch Bachelor nach Plan enthält die Antworten auf die Fragen „Was studieren und wo studieren?“ sowie zahlreiche Tipps zu Bewerbung und Finanzierung des Studiums.

Die Studienentscheidung fällt vielen Abiturienten schwer. Klar, denn es gibt etwa 9.400 grundständige Studiengänge in Deutschland – und die Zahl wächst noch. In der Kürze der Zeit bleibt kein Platz mehr für ausführliche Recherchen, Hochschulbesuche und ausgiebige Gespräche mit Beratern. Was also tun? Eine Möglichkeit, bei der Studienwahl mehr Klarheit zu bekommen: Selbsttests machen. Diese funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip wie die bekannten Bravo-Tests wie „Welcher Flirttyp bist Du?“ oder „Hast Du ein Feeling für Magic?“. Sie sind nur etwas fundierter. In diesem Fall stellen sie die Frage: „Was studieren?“

Eine gute Möglichkeit, die Frage „Was studieren?“ zu beantworten, ist der Powertest von der Bundesagentur für Arbeit. Der Test dauert ein wenig, ist aber sehr fundiert. Eine gute Webseite ist auch das Borakel der Universität Bochum – der Test ist umfangreich und die Ergebnisse hochinteressant. Ebenfalls empfehlenswert ist der Perspektiven-Test der Allianz Versicherung. Die Uni Hohenheim hat mit www.was-studiere-ich.de ebenfalls einen guten Test im Programm. Die Ergebnisse sind natürlich nicht in Stein gemeißelt, können aber bei der Studienwahl des Bachelors sehr nützlich sein. Hier noch mehr Infos zu Studienwahltests.

Die Ergebnisse der Tests sind sicher nicht der Weisheit letzter Schluss – doch hilfreich sind sie allemal. Wem es daneben aufs Geld ankommt, der kann sich in meinem Artikel zum Verdienst nach dem Studium informieren.

Was studieren? Auf den ersten Blick sehen viele Studiengänge gleich aus, bei näherem Hinsehen zeigt sich ihre Verschiedenheit. Bild: Claudio Alejandro Mufarrege / Flickr.com

Zweiter Schritt – konkrete Programme finden

Hat man Was studieren? generell beantwortet, folgt nun das konkrete Richtung. Was heißt das? Wenn man sich beispielsweise für BWL entschieden hat, kann man immer noch einen Haufen Spezialisierungen und Mischfächer wählen. Wenn sich ein Abiturient beispielsweise Informatik als generelle Richtung gewählt hat, kann er immer noch Spezial- und Mischfächer wie zum Beispiel Wirtschaftsinformatik, Bioinformatik oder – noch individueller – Internet Computing an der Uni Passau, Mediensysteme an der Uni Weimar studieren. Was tun?

Gut, dass es für diesen Fall eine Suchmaschine gibt: Den Hochschulkompass. Dort kann man nach einzelnen Studiengängen suchen. Der Vorteil bei der Studienwahl ist, dass auch angrenzende Fächer gefunden werden – siehe die beiden Beispiele oben. Ein großes Plus bei der Auswahl des Bachelorstudiums: Wenn der jeweilige Studiengang im CHE-Ranking (siehe nächster Absatz) vorkommt, ist er automatisch verlinkt.

Wichtig bei der Frage, was man studieren will, ist auch die nach Fachhochschule oder Uni. Grundsätzlich sollte man da nach dem am besten passenden Studiengang gehen. Die Bachelorabschlüsse beider Hochschularten sind gleichgestellt. FHs sind in der Regel etwas weniger theoretisch als Unis.

Dritter Schritt – den bestmöglichen Studiengang finden

Was studieren ist nun geklärt. Nur wo? Welcher Studiengang ist gut und welcher nicht? Für den Laien ist die Unterscheidung fast unmöglich. Daher gibt es eine Reihe von Rankings, die die Qualität von Hochschulen bewerten und bei der Studienwahl helfen. Das beste hierzulande: Das CHE Ranking, das von der Zeit herausgegeben wird. Hier werden die meisten Studienrichtungen an fast allen deutschen Hochschulen bewertet. Unter anderem bekommt man Infos über Studiensituation, Betreuung, Bibliotheksausstattung, Publikationen, Laborausstattung, Forschungsreputation, Reputation bei anderen Professoren und vieles mehr. Für die Wahl des richtigen Bachelors unverzichtbar.

Falls man übrigens die Fristen verpasst hat, ist noch nicht alles verloren: Auf der Studienplatzbörse der Hochschulrektorenkonferenz kann man sich ab Anfang September immer um Restplätze bemühen.

Vierter Schritt – Stadt, Land, Fluss

Expertentipp: Österreich

Frist verpasst? NC zu hoch? Es gibt eine Alternative: Österreich. Dort sind alle Fächer NC-frei – mit Ausnahme von Psychologie und Medizin. Man kann sich bis Anfang September (und teils noch länger!) in alle Programme frei einschreiben. Mehr Informationen zum Studium in Österreich gibt es bei Studis Online.

Einige möchten fürs Studium nicht ihre Heimatregion verlassen, andere zieht es ans andere Ende des Landes oder sogar der Welt. Für manche muss es die Großstadt sein, einige fühlen sich aber von der Anonymität abgeschreckt und möchten lieber in kleinere Orte ziehen. Diese Punkte sind bei der Studienwahl wichtig – auch wenn es sich um eine Last-Minute-Entscheidung handelt. Die Auswahl ist kurz vor Schluss aber begrenzt: In den beliebten Städten sind weitaus mehr Fächer mit NC belegt als in der Provinz. Wo studieren? ist da schnell beantwortet.

Wer sich vor der Studienwahl über die Zielstadt informieren möchte, kann dies bei Studentenpilot tun, wo die meisten Universitätsstädte getestet wurden. Grundsätzliche Informationen gibt es natürlich bei Wikipedia.

Theatersüchtigen hilft vielleicht das Theaterverzeichnis, Infos zur jeweiligen Kriminalitätsrate hat das Bundeskriminalamt. Eine Übersicht über die besten Mensen hat die Zeitschrift Unicum und wo am besten Fahrrad gefahren werden kann, sagt der ADFC.

Fünfter Schritt – Unterlagen zusammentragen und verschicken

Es soll an einen schönen Ort gehen. Doch was ist schön? Die Meinungen sind da verschieden. Bild: Blmiers2 / Flickr.com

Die Wahl des richtigen Bachelors ist abgeschlossen? Was studieren, wo studieren, wie studieren klar? Gut, dann raus mit der Bewerbung. Neben einer notariell beglaubigten Kopie des Abizeugnisses braucht man die ausgefüllten Unterlagen sowie einen Nachweis der Krankenkasse. Wichtig: Ganz genau die geforderten Unterlagen einreichen. Achtung: Bei der Deadline zählt in der Regel das Datum des Posteingangs an der Hochschule – und nicht der Poststempel!

Tipp: Falls man sich der Sache noch immer nicht sicher ist, schaden Bewerbungen an mehreren Hochschulen keineswegs – allerdings kann dies teuer werden, falls man bei der Einschreibung bereits den Semesterbeitrag zahlen muss.

Sechster Schritt – Durchatmen und aufs Studium freuen

Wenn die Einschreibung in einen guten Studiengang geschafft ist, kann man sich ersteinmal zurücklehnen. Aber nicht zu lange: Denn wichtige Fragen wie die der Studienfinanzierung sind noch nicht geklärt. Tipps dazu sowie zu weiteren Themen wie der Wohnungssuche, dem Hochschulsystem, der Bewerbung fürs Studium, spannenden Studiengängen und vielem mehr gibt es in Bachelor nach Plan sowie in diesem Blog.

Sebastian Horndasch ist Studienberater, freier Journalist und Autor der Bücher Bachelor nach Plan und Master nach Plan. Vorher arbeitete er zweieinhalb Jahre für die Unternehmensberatung Control Risks. Sebastian hat VWL und Politik in Erfurt, Madrid und Nottingham studiert. Er lebt in Berlin.