Studienwahl – Die Qual der Auswahl

Oder: Warum Entscheidungen so schwierig sind

Abiturienten wie Bachelorabsolventen fühlen sich von der Auswahl, vor der sie stehen, erschlagen. Was studieren? Eine Frage mit tausend Antworten. Warum die Auswahl so schwierig ist – und welche Alternativen es gibt.

Zu viel Marmelade kann überwältigend sein. Bild: Tony Case / Flickr.com

Zu viel Marmelade kann überwältigend sein. Bild: Tony Case / Flickr.com

Beginnen wir mit einer Geschichte. In einem amerikanischen Supermarkt wurden Kunden an einem Tag 6, an anderen Tagen 24 verschiedene Marmeladen zum probieren angeboten. Wer probiert hatte, erhielt einen Preisnachlass von 1 Dollar für eine beliebige Sorte. Professorin Sheena Iyengar von der Columbia University wollte herausfinden, wie die Auswahl der Sorten die Entscheidungen der Kunden beeinflussen würde. 40% aller Kunden probierten von der kleineren Auswahl, 60% probierten von der größeren. Doch nun wird es spannend: Von der ersten Gruppe kauften 30% im Anschluss auch ein Glas Marmelade  und von der zweiten Gruppe – diejenige mit der größeren Auswahl – kauften im Anschluss nur 3%. Warum nur so wenige? Offenbar wirkte die Auswahl so groß, dass die Leute lieber gar keine Wahl trafen.

Abiturienten und Bachelorabsolventen stehen vor einem ähnlichen Problem: Die Auswahl ist riesig. Konkret stehen etwa 9.300 grundständige Studiengänge und 7.000 Masterprogramme zur Auswahl – alleine in Deutschland. Und im Ausland sind es noch viel mehr. Doch die Alternativen lassen sich immerhin strukturieren. Und dies tut dieser Artikel.

Ach ja: Wenn es schnell gehen muss, hilft mein Artikel Was studieren – Anleitung zur schnellen Studienwahl. Und richtig viele Infos gibt es natürlich in meinen Büchern Bachelor nach Plan und Master nach Plan.

1.         Disziplinär versus interdisziplinär

Wie sehr möchte man sich im Studium auf ein Fachgebiet konzentrieren? Eine zentrale Entscheidung bei der Studienwahl. Dabei kann es in beide Richtungen gehen: Extrem eng wie extrem breit. Ein Beispiel: Ein normales disziplinäres Studium wäre Maschinenbau. Nun wissen einige schon von Beginn an, dass sie im Luftfahrtbereich arbeiten wollen – und entscheiden sich für einen Bachelor in Luft- und Raumfahrttechnik – zum Beispiel an der Uni Stuttgart. Möchte man in die entgegen gesetzte Richtung gehen, also sehr generell studieren, bietet sich das Wirtschaftsingenieurwesen an, das BWL und Maschinenbau in sich vereint.

Ich selbst hatte mit meinem Bachelor in Staatswissenschaften – einer Mischung aus Wirtschaft, Politik und Recht – einen interdisziplinären Studiengang gewählt und dann einen reinen VWL-Master gemacht, also disziplinär studiert. Es geht aber auch anders herum: Man kann beispielsweise im Bachelor rein Volkswirtschaftslehre studieren – und im Master dann in die Breite gehen, indem man sich zum Beispiel für Philosophy and Economics in Bayreuth entscheidet.

2.         Inland versus Ausland

Das Ausland: Grenzenlose Studienfreiheit. Bild: Henning Mühlinghaus / Flickr.com

Das Ausland: Grenzenlose Studienfreiheit. Bild: Henning Mühlinghaus / Flickr.com

Warum unbedingt in Deutschland bleiben? Das deutsche Abitur sowie der deutsche Bachelor sind EU-weit ohne Wenn und Aber anerkannt und auch das BAföG kann man im Ausland problemlos beziehen. Die einzige Zusatzhürde: Ihr müsst in der Regel einen Sprachtest bestehen. Unsere Nachbarländer bieten einige großartige Studiengänge – und oftmals geringere Hürden, falls ihr Studiengänge mit hohem NC wählt. So sind in Österreich alle Fächer NC-frei – mit Ausnahme von Medizin, Psychologie und Kommunikationswissenschaft.

Infos zum Ausland gibt es an vielen Stellen. Besonders gut für die Studienwahl sind Studis Online sowie der Deutsche Akademische Austauschdienst. Wer generell nach Programmen im Ausland recherchieren möchte, ist bei Xstudy.eu, bachelorsportal.eu sowie mastersportal.eu richtig.

3.         National versus bi-national

Die meisten Studiengänge sind rein national – man studiert an einer Universität in einem Land und erhält dafür einen Abschluss. Man kann meist ein Auslandssemester einlegen, das war es aber dann auch. Doch es geht auch anders: Viele Bachelor- und Masterprogramme studiert man an zwei Hochschulen gleichzeitig – und erhält dann auch zwei Abschlüsse. Im Regelfall verbringt man die Hälfte der Zeit in Deutschland und die andere an der Hochschule im Partnerland.

Besonders viele bi-nationale Studiengänge gibt es in Kooperation mit Frankreich, organisiert durch die Deutsch-Französische Hochschule. Alle internationalen Studiengänge findet man, indem man in der Profisuche des Hochschulkompass im Bereich Studienform „Internationaler Studiengang“ angibt.

4.         Pures Studium versus duales Studium

Früher hieß es häufig bei der Studienwahl: Mach vorm Studium eine Berufsausbildung, dann hast du etwas richtiges gelernt. Heute geht beides gleichzeitig. Im dualen Studium macht man seine Ausbildung neben dem Studium an der Fachhochschule oder der Berufsakademie – Universitäten bieten keine dualen Studiengänge an. Ein duales Studium ist auch im Master möglich, allerdings gibt es hier nicht ganz so viele Angebote. Macht man einen dualen Master, arbeitet man in der Regel nebenbei als Trainee in einer Firma.

Die Suche nach dualen Studiengängen ist nicht ganz einfach, denn die Bewerbung findet in erster Linie über die Unternehmen statt. Leider gibt es keine zentrale Datenbank über alle Firmen, die ein duales Studium anbieten. Der Hochschulkompass listet auf seiner Seite alle dualen Studiengänge auf, die von Hochschulen angeboten werden. Ihr könntet euch dann an diese Hochschulen wenden und fragen, mit welchen Firmen sie kooperieren.

5.         Im Master: Konsekutiv versus nicht-konsekutiv versus weiterbildend

Für aufstrebende Manager: Der MBA. Bild: Avard Woolaver / Flickr.com

Für aufstrebende Manager: Der MBA. Bild: Avard Woolaver / Flickr.com

Im Regelfall studiert man einen Master, der inhaltlich auf dem Bachelor aufbaut – ein so genannter Konsekutivmaster. Allerdings gibt es auch Master, die nicht zwangsläufig auf einem fachlich entsprechenden Bachelor aufbauen. So kann man Literatur im Bachelor studiert haben und dann einen Master in Betriebswirtschaftslehre belegen. Einige Beispiele für nicht-konsekutive Master: Betriebswirtschaftslehre an der FH Kiel, Soziale Arbeit an der KU Eichstätt sowie Corporate Management & Economics an der Zeppelin Universität.

Eine andere Alternative: Erst einmal arbeiten gehen und später dann einen weiterbildenden Master machen wie zum Beispiel einen MBA. Weiterbildende Master sind immer praktisch angelegt und häufig berufsbegleitend. MBAs findet man im MBA Compass. Nach weiterbildenden Mastern kann man in der Profisuche des Hochschulkompass suchen.

Sebastian Horndasch ist Studienberater, freier Journalist und Autor der Bücher Bachelor nach Plan und Master nach Plan. Vorher arbeitete er zweieinhalb Jahre für die Unternehmensberatung Control Risks. Sebastian hat VWL und Politik in Erfurt, Madrid und Nottingham studiert. Er lebt in Berlin.

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  1. Danke für den Artikel: die Untersuchung mit der Mamelade kannte ich noch nicht: DAs leuchtet ein! Die werde ich mir merken, weil ich oft als Professorin auf dieses Thema angesprochen werde. LG Kira Klenke

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