Clever finanzieren – mit dem richtigen Ratgeber

Clever Studieren - mit der richtigen Finanzierung

Der 2009 erschienene Ratgeber „Clever studieren – mit der richtigen Finanzierung“ der Verbraucherzentrale NRW ist ein gutes Buch – lässt aber einige Fragen offen.

Clever Studieren - mit der richtigen FinanzierungDie Finanzierung des Studiums ist eine permanente Herausforderung für Studierende. Das BAföG reicht in den seltensten Fällen aus und nur etwa 10 Prozent aller Studierenden erhalten genug Geld von ihren Eltern, um alle anfallenden Kosten zu decken. Bereits vor der Studienwahl denken viele Abiturienten über die Finanzierung ihres Studiums nach. Der Beratungsbedarf ist groß, weshalb die Verbraucherzentrale NRW ein entsprechendes Ratgeberbuch veröffentlicht hat, das nunmehr in der dritten Auflage vorliegt.

Wirkt das Cover etwas altbacken, ist der erste Eindruck beim Öffnen des Buches hervorragend: Ein sehr ansprechendes Design, das Lust am Lesen weckt, viele Boxen und Tabellen sowie ein löblicher Verzicht auf unüberschaubar lange Textwüsten. Die Struktur ist klar und logisch: Zunächst behandelt das Buch die Studienkosten, um dann verschiedene Einnahmemöglichkeiten wie BAföG, Kredite oder Stipendien zu beschreiben.

Beim weiteren Blättern bestätigt sich der positive Eindruck: Kurz und knackig werden verschiedene Versicherungen beschrieben und dem studentischen Leser gesagt, welche davon wichtig sind und auf welche er getrost verzichten kann. Ausführlich geht es Buch auf Studiengebühren und entsprechende Darlehensformen ein. Auch das BAföG wird in aller Ausführlichkeit beschrieben, wobei das Thema Auslands-BAföG leider etwas zu kurz kommt.

Weniger befriedigend ist dagegen das Kapitel zu Stipendien. Die Autorin Sina Gross zählt hier alle großen Stiftungen auf, wobei die Beschreibungen leicht redundant wirken: Es muss eine große Herausforderung gewesen sein, die stets obligatorische Teilnahme an Seminaren und Tagungen für jede Stiftung in jeweils verschiedenen Worten zu schildern. Die Beschreibungen sind oberflächlich und orientieren sich weitgehend an den Informationen auf den jeweiligen Internetseiten der Stiftungen. Relevanter für den geneigten Leser wären hilfreiche Bewerbungstipps gewesen – denn es ist nicht leicht, ein entsprechendes Stipendium zu erhalten. In Sachen Bewerbung verharrt das Buch leider an der Oberfläche und bietet damit keinen Mehrwert.

Kleinere Recherchefehler unterstreichen den zwiespältigen Eindruck des Kapitels: So kann man sich beim evangelischen Studienförderwerk anders als angegeben auch bewerben, wenn man nicht Angehöriger der Kirche ist. Daneben kommen kleinere Stipendiengeber zu kurz, die für viele eine gute Alternative zu den bekannten großen Stiftungen sind. Ein Hinweis auf die Webseite www.stipendienlotse.de des Bundesbildungsministeriums wäre da hilfreich gewesen.

Auch im Jobkapitel fehlt es an Details. Hervorragend ist die Beschreibung der rechtlichen Lage, hier finden Leser viele wichtige Infos. Allerdings hätte man mehr als nur einen Absatz plus weniger Webtipps zur Jobsuche erwarten können.

Am Ende verbleibt trotz einiger Mängel ein überwiegend positiver Eindruck. Das Buch ist mit 9,90 Euro nicht teuer. Daneben spricht es für die Verbraucherzentrale NRW, dass das Buch in häufigen Abständen überarbeitet wird. Die aktuellsten Konkurrenzbücher sind von 2006, was in einem so dynamischen Feld wie der Studienfinanzierung geradezu prähistorisch ist. Damit handelt es sich um das derzeit einzige empfehlenswerte Buch seiner Art auf dem Markt. Es steht zu hoffen, dass die Verbraucherzentrale NRW bei der nächsten Überarbeitung ein wenig Geld in die Hand nimmt, um die bestehenden Mängel auszugleichen.

Fazit: Das Buch ist ein hilfreiche Begleiter in finanziellen Fragen, bleibt aber hinter seinem Potential zurück.

„Clever studieren – mit der richtigen Finanzierung“ kann bei Amazon.de sowie direkt bei der Verbraucherzentrale NRW bestellt werden.

Update: Bei Amazon.de habe ich zu dem Buch eine Video-Rezension hinterlassen.

Sebastian Horndasch ist Studienberater, freier Journalist und Autor der Bücher Bachelor nach Plan und Master nach Plan. Vorher arbeitete er zweieinhalb Jahre für die Unternehmensberatung Control Risks. Sebastian hat VWL und Politik in Erfurt, Madrid und Nottingham studiert. Er lebt in Berlin.

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