Private Bilder als Karrierekiller?

Bewerbungsberater raten, möglichst keine allzu privaten Bilder bei sozialen Netzwerken Facebook und Twitter einzustellen und sich in seinen Äußerungen zurück zu halten. Ein Foto mit Kippe im Mund und Cocktail in der Hand könne ein Karrierekiller sein. Ich sage: Unsinn, entspannen Sie sich und leben Sie weiter.

Nacktbilder gibt es seit den alten Griechen. Also ruhig Blut. Bild: Wally Gobetz / Flickr.com

Nacktbilder gibt es seit den alten Griechen. Also ruhig Blut. Bild: Kevin Dooley / Flickr.com

Sucht man im Netz nach Rat in Sachen Bewerbung, stößt man schnell auf Artikel mit reißerischen Überschriften wie „Partybilder im Netz als Karrierekiller“, „Bewerbungsfalle Social Media?“ oder „Verräterische Spuren im Internet als Karriere-Killer“. Die Artikel suggerieren, dass man sich hüten sollte, allzu viel von sich im Netz preis zu geben – wer weiß, wie das bei Personalern ankommt? Meine Antwort: Das ist völlig egal. Ich persönlich halte solche Artikel für Panikmache weltfremder Menschen, die zwanghaft „Content“ produzieren müssen, egal, ob sinnvoll oder nicht.

Aber der Reihe nach. Personaler sind Individuen und haben dementsprechend individuelle Meinungen. Es lässt sich also nicht ausschließen, dass ihnen irgendetwas negativ aufstößt. Vielleicht wird aus dem Lebenslauf eine Parteiorientierung deutlich, die dem Personaler nicht passt? Vielleicht mag der Personaler die Firma nicht, in der man ein Praktikum gemacht hat? Und möglicherweise findet sich ja auch etwas in sozialen Netzwerken, das ein Personaler nicht schätzt? Das alles mag sein. Aber es ist Unsinn, seine private Kommunikation danach auszurichten, was vielleicht irgendwann irgendwer mal gut finden könnte.

Personaler sind Profis. Sie wissen, dass sie Menschen einstellen und keine Maschinen. Fast jeder von uns war schon mehr als einmal betrunken. Und das gilt auch für die Personaler, die einen einstellen. Warum also sollte ein Partybild oder ein mittelmäßiges Youtube-Video ein Problem sein?

Natürlich gibt es Ausnahmen. Extreme politische Äußerungen sind problematisch. Rassismus, Homophobie, Aufforderungen zu Gewalt sind alles Dinge, die Sie schlecht aussehen lassen – online wie offline. Pornographie ist auch eher ungünstig. Ansonsten aber rate ich schlicht dazu, entsprechende Ratschläge zu ignorieren und sein Leben normal weiter zu leben. Auch in sozialen Netzwerken.

Oder in den Worten und Bildern des großartigen Webcomics XKCD:

Sebastian Horndasch ist Studienberater, freier Journalist und Autor der Bücher Bachelor nach Plan und Master nach Plan. Vorher arbeitete er zweieinhalb Jahre für die Unternehmensberatung Control Risks. Sebastian hat VWL und Politik in Erfurt, Madrid und Nottingham studiert. Er lebt in Berlin.

Schreibe einen Kommentar