Studieren in… Georgien

Nana Vechnadze studiert Journalistik in Tiflis, der Hauptstadt Georgiens. Ich traf sie in Prag, auf ihrer ersten Reise ins Ausland. Nana sprach hervorragendes Deutsch, so dass ich das Interview nicht übersetzen musste. Mit ihrer Studiensituation ist sie nicht allzu zufrieden. Insgesamt plagen Sie in ihrem Studium ähnliche Probleme wie viele deutsche Studenten: Schlechte Betreuung, zu wenig Wahlmöglichkeiten.

Name Nana Vachnadze
Alter 20 Jahre
Hochschule I. Javakhishvili Tbilisi State University
Studienrichtung Bachelor in Journalistik
Studienjahr Drittes Studienjahr

Sebastian: Warum hast du Dich für Dein Programm und Deine Hochschule entschieden?

Nana: Der Hauptgrund sind die Studiengebühren, die in Vergleich zu den privaten Hochschulen wesentlich niedriger sind. Als ich mich für mein Studium entschieden habe, sah ich keinen großen Unterschied in Hinblick auf die Lernqualität zwischen staatlichen und privaten Hochschulen. Meine Hochschule ist die älteste Universität Georgiens und als ich vor 3 Jahren mein Abitur machte, war unser Bildungssystem im Umbruch, weshalb ich mich für die Universität mit der längten Traditionen entschieden habe.

An Journalistik gefällt mir vor allem die Möglichkeit, viel zu schreiben.

Was gefällt Dir an Deinem Studiengang?

Eigentlich nichts…  Naja, vielleicht eine Sache: meine Universität richtet sich nach dem Bologna-Prozess, was den Studenten die Möglichkeit  gibt, Professoren und Fächer selbst zu wählen und außerdem an Austauschprogrammen teilzunehmen, ohne Kredite zu verlieren.

Was gefällt Dir an Deinem Studiengang weniger?

Mir missfallen die für Massenuniversitäten typischen Dinge: wir haben einen großen Mangel an Lehrbüchern, es ist fast unmöglich das gewünschte Buch in der Bibliothek auszuleihen. Die Hörsäle sind überfüllt und es gibt viel zu wenig Professoren, was die Wahlmöglichkeit der Studenten stark einschränkt.

Wie war das Aufnahmeverfahren für deinen Studiengang? Was musstest Du tun oder vorweisen?

Um an der Universität studieren zu können, muss man am Ende der elfjährigen Schulzeit einige Prüfungen bestehen – ähnlich dem Abitur. Ich wurde in den Fächern Georgisch, Fremdsprache, Geschichte und Erdkunde geprüft und musste einen Intelligenztest machen.

Zahlst du Studiengebühren? Wenn ja wieviel?

Für das Studium in Georgien muss man Gebühren zahlen, die von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich sind. An meiner Universität müssen jährlich 2000 Georgische Lari (822 Euro) gezahlt werden. Studenten haben die Möglichkeit, vom Staat zwischen 30 und 100 Prozent finanziert zu werden, aber das hängt von Punkten ab, die sie bei den nationalen Prüfungen bekommen. Ich habe eine 30prozentige Finanzierung vom Staat und ich zahle 1400 Lari (575 Euro) pro Jahr.

Wie finanzierst Du Dein Studium?

Ich arbeite noch nicht, weshalb meine Mutter mein Studium finanziert.

Wie viel Geld braucht ein normaler Student in deiner Stadt pro Monat fürs Leben?

Das hängt davon ab an welcher Universität man studieren will und wo man die Wohnung mietet. Das Studium an der privaten Universität kostet 7000 Lari (2879 Euro) und Studium an der staatlichen Universität wie gesagt 2000 Lari (822 Euro). Eine Zweizimmerwohnung in Zentrum kostet kalt mindestens 600 Lari (247 Euro) und im Vorort etwa 300 Lari (123 Euro).

Was möchtest du nach Deinem Studium beruflich tun?

Nach dem Studium habe vor, wenn möglich als Journalistin zu arbeiten. Einen Master plane ich nicht zu machen.

Würdest Du einem deutschen Studenten empfehlen, an Deiner Universität zu studieren? Warum?

Vor- und Nachteile meiner Universität habe ich erwähnt. Meiner Meinung nach ist das Ausbildungssystem in Georgien noch nicht gut genug organisiert, dass es einem Deutschen bei uns gefiele.

Sebastian Horndasch ist Studienberater, freier Journalist und Autor der Bücher Bachelor nach Plan und Master nach Plan. Vorher arbeitete er zweieinhalb Jahre für die Unternehmensberatung Control Risks. Sebastian hat VWL und Politik in Erfurt, Madrid und Nottingham studiert. Er lebt in Berlin.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich denke allerdings auch, dass ich ein Studium in Georgien nicht anstreben würde, da ich die Sprache nicht beherrsche und nicht abschätzen kann, was mich dort alles erwartet.

  2. Ich würde das nicht so sehen. Wer sich für Georgien interessiert, sollte einen Austausch machen. Nach meiner Erfahrung sind es gerade nichtmainstreamige Sprach- und Länderkenntnisse, die für die Karriere förderlich sein können.

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