Retrostudium: Der Diplomingenieur in Sachsen

Im Jahre 2010 war das Diplom nach langem Kampf vom Bachelor besiegt worden. Stolze Studienrichtungen wie das Ingenieurwesen mussten ihre Abschlüsse dem Bachelor zu Füßen legen. War ganz Deutschland besetzt? Nein! Ein von Unbeugsamen bevölkertes Bundesland hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.

Sachsen: Studieren wie zu Großvaters Zeiten; Bild: © Thomas Max Müller / pixelio.de

In Sachen Diplom sind die Sachsen in gewissem Sinne die Gallier Deutschlands. Denn einige Hochschulen in dem Land haben sich entschlossen, ihre Studiengänge nicht auf die neuen Abschlüsse umzustellen, zumindest in ingenieurwissenschaftlichen Fächern. An der Hochschule Zittau/Görlitz kann man die Fächer Maschinenbau, Umwelttechnik, Wirtschaftsingenieurwesen und BWL weiterhin auf Diplom studieren. Die TU Dresden hat gerade beschlossen, die angebotenen Diplomstudiengänge deutlich auszubauen.

Die sächsischen Diplomstudiengänge sind allerdings nicht identisch mit dem alten Diplom – im Grunde ist es neuer Wein in alten Schläuchen. Denn die Studiengänge sind wie bei Bachelor und Master modular aufgebaut und vergeben Leistungspunkte. Ein Wechsel zu Bachelor und Master ist möglich – denn das sächsische Diplom ist nichts anders als eine Kombination aus Bachelor und Master, auf die das Etikett „Diplom“ geklebt wurde.

Möglich ist diese Namensgebung aufgrund einer deutschlandweit einmaligen Sonderregelung im sächsischen Hochschulgesetz. Wer also unbedingt am Ende ein Diplom haben möchte, ist in Sachsen genau richtig.

Tipp: Man sollte die Studienwahl nicht vom Namen des Abschlusses abhängig machen – denn das sächsische Diplom ist mit dem Master inhaltlich deckungsgleich. Laut CHE Ranking ist die TU Dresden im Maschinenbau deutschlandweit nur Mittelmaß. Und die Hochschule Zittau/Görlitz schneidet in den Wirtschaftswissenschaften sogar vergleichsweise negativ ab. Im Maschinenbau wurde Zittau/Görlitz aufgrund der geringen Größe nicht umfassend bewertet – immerhin verfügt die Hochschule über viele Forschungsgelder. Ein ganz anderes Kaliber in Sachen Maschinenbau sind da Hochschulen wie die TU Darmstadt oder das Karlsruher Institut für Technologie. Übrigens – auch wenn das Maschinenbaustudium in Dresden nur Mittelmaß ist, generell lässt es sich im Freistaat hervorragend studieren. Mehr Infos dazu gibt es auf pack-dein-studium.de.

Sebastian Horndasch ist Studienberater, freier Journalist und Autor der Bücher Bachelor nach Plan und Master nach Plan. Vorher arbeitete er zweieinhalb Jahre für die Unternehmensberatung Control Risks. Sebastian hat VWL und Politik in Erfurt, Madrid und Nottingham studiert. Er lebt in Berlin.

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